Das Prüfverfahren zur BITV


Sie sind hier: BITV-Test > Liste der Erfolgskriterien > Prüfkriterium 2.4.4a (33 von 49)


zum WCAG-Test wechseln


Blättern: zum ersten Prüfschritt zum vorhergehenden Prüfschritt zum nächsten Prüfschritt zum letzten Prüfschritt

Prüfschritt 2.4.4a
Aussagekräftige Linktexte

Technische Angaben

Version bis 10.07.2017 | Aktuell
BITV-Bedingung 2.4.4 Zweck eines Links (im Kontext)
WCAG-Erfolgskriterium 2.4.4 Linkzweck (im Kontext)
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / teilweise erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung mittleres Gewicht (2 Punkte)
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Linktexte sind durch den Linktext selbst oder über den programmatisch ermittelbaren Kontext aussagekräftig.
Prüfschritt nicht anwendbar Links sind nicht vorhanden.

Was wird geprüft?

Ziel oder Zweck des Links sollen aus dem Linktext hervorgehen oder aus dem direkten Kontext des Links ermittelbar sein.

Falls Links nicht auf HTML-Seiten verweisen, soll der Link über das Dateiformat des Zieldokuments informieren.

Warum wird das geprüft?

Blinde Nutzer, die von Link zu Link tabben, bekommen die Linktexte vorgelesen und können bei aussagekräftigen Linktexten leicht entscheiden, ob sie einem Link folgen möchten.

Falls der Linktext selbst nicht aussagekräftig ist, soll der unmittelbare Kontext für Screenreader-Nutzer wenigstens leicht ermittelbar sein.

Screenreader bieten die Möglichkeit der Auflistung sämtlicher Links der Seite und damit einen schnellen Überblick, selbst wenn die Seite ansonsten schlecht zugänglich ist. Diese Technik funktioniert allerdings nicht, wenn alle Linktexte gleich sind und nicht ausreichend Auskunft über das Linkziel geben.

Für Angebote in anderen Formaten als HTML (zum Beispiel PDF- oder Word-Dokumente) benötigt der Benutzer zusätzliche Programme oder Plugins, die aber nicht jeder auf seinem Rechner installiert hat. Manche Programme arbeiten schlecht mit Screenreadern oder anderen Hilfsanwendungen zusammen, manche Dateiformate sind nicht oder nur schlecht zugänglich. Für viele Benutzer ist es wichtig zu wissen, in welchem Format Informationen angeboten werden, bevor sie einen Link aktivieren.

Ein weiterer Grund, weshalb die Vorab-Information über den Typ des Links wichtig ist: Der Benutzer weiß dann, was auf ihn zukommt. Er ist nicht überrascht oder irritiert, wenn plötzlich Browserfunktionen nicht mehr vorhanden sind oder der E-Mail-Client geöffnet wird.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn die Seite Links enthält.

2. Prüfung

2.1 Prüfung von Linktexten

  1. Seite im Internet Explorer aufrufen.
  2. Prüfen, ob die Linktexte aussagekräftig sind, das heißt, im Linktext oder im Kontext eine Auskunft über Ziel oder Zweck des Links geben.
  3. Für Links, deren sichtbarer Linktext allein nicht aussagekräftig ist (z.B. "mehr" oder "weiterlesen"), prüfen, ob der Linktext durch eine der folgenden Möglichkeiten im Kontext sinnvoll ergänzt wird:
    • durch einen verständlichen Link am Seitenbeginn, der Linktexte auf der Seite erweitert
    • durch zusätzlichen, über CSS versteckten Linktext (hierfür die Option CSS > Disable CSS wählen und die betroffenen Links erneut prüfen)
    • durch den Alternativtext einer mit im selben a-Element verlinkten Grafik (hierfür die Option Images > Remove Images oder Images > Show Images wählen)
    • durch den Text im umschließenden Element (p, li)
    • bei Links in untergeordneten Listen durch den Text des übergeordneten li-Elements
    • durch den Text der umschließenden Tabellenzelle und der dazugehörigen Überschriftenzellen (tdth)
    • durch den Text der vorangehenden Überschrift (h1 - h6)
    • Mit Hilfe des aria-label oder aria-labelledby-Attributs.

2.2 Prüfung von Links auf andere Dateiformate

  1. Seite im Internet Explorer aufrufen.
  2. In der Web Accessibility Toolbar die Option Doc Info > List Links wählen.
  3. Links auf nicht-HTML-Angebote in der Linkliste anhand der URL identifizieren (zum Beispiel mailto-Links oder die Dateiendungen .pdf oder .doc)
  4. Prüfen, ob im Linktext oder im title-Text Auskunft über das Dateiformat gegeben wird.
  5. Falls über Link- und title-Text keine Auskunft über das Dateiformat gegeben wird, den Link auf der Webseite suchen und prüfen, ob mit visuellen Mitteln über das Dateiformat informiert wird (zum Beispiel PDF-Symbol, Überschrift "PDFs zum Herunterladen"...).

3. Hinweise

  • Bei verlinkten Grafiken ist der Linktext der alt-Text der Wert des alt-Attriubuts des img-Elements
  • Der Linktext kann auch aus dem alt-Text einer oder mehrerer Grafiken und einfachem Text zusammengesetzt sein.
  • Nicht aussagekräftige Links wie "mehr..", "weiter", "etc." im letzten li-Element einer Liste werden nur akzeptiert, wenn die Bedeutung klar aus dem Kontext der Auflistung hervorgeht.
  • Zusätzlicher, per CSS unsichtbar gemachter Linktext darf nicht via display:none versteckt werden: er wird sonst von Screenreadern ignoriert.
  • Das title-Attribut eines Links wird möglicherweise in manchen Fällen nicht von Screenreadern ausgewertet. Es ist gemäß Spezifikation für zusätzliche Informationen gedacht. in den gängigen Browsern für Tastaturnutzer nicht zugänglich. Es reicht deshalb zur Erfüllung dieses Prüfschritts nicht aus.

4. Bewertung

Erfüllt:

  • Alle Links benennen im Linktext oder im direkten Kontext Linkziel oder Linkzweck.
  • Alle Links auf nicht-HTML-Angebote geben Auskunft über das Dateiformat.

Nicht voll erfüllt:

  • Ziel oder Zweck des Links gehen nur aus dem title-Attribut des Links hervor.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV 2.0

2.4.4 Zweck eines Links (im Kontext):

Ziel und Zweck von Links sind aus dem Linktext selbst oder aus dem Linktext in Verbindung mit dem durch Programme bestimmbaren Kontext ersichtlich.

Abgrenzung zu anderen Prüfkriterien

Bei verlinkten Grafiken ist der Linktext der alt-Text des img-Elements. Die Aussaagekraft des alt-Textes wird jedoch geprüft in:

  • Prüfschritt 1.1.1a "Alternativtexte für Bedienelemente"

In diesem Prüfschritt wird nur geprüft, ob die Information über das Dateiformat überhaupt vorhanden ist. Das ist der Fall, wenn das Dateiformat in einer Grafik, im Linktext oder im title-Text des Links angegeben wird.

Nicht geprüft wird, ob die Information auch gut zugänglich ist. Dafür reicht die alleinige Anzeige als Grafik nicht aus. Wenn das Dateiformat mit einer Grafik angezeigt wird, muss geprüft werden, ob diese Information auch als Text verfügbar ist.

  • Ergänzender Text für sehende Besucher: Prüfschritt 2.4.6a "Title-Attribut für Symbole"
  • Alternativer Text für blinde Besucher: Prüfschritt 1.1.1a "Alternativtexte für Bedienelemente"

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

Guideline

Success criteria

Techniques

General Techniques
HTML Techniques
CSS Techniques
ARIA Techniques

Failures

Quellen

Zweck der Kontextunabhängigkeit

Assistive technology has the ability to provide users with a list of links that are on the Web page. Link text that is as meaningful as possible will aid users who want to choose from this list of links. Meaningful link text also helps those who wish to tab from link to link. Meaningful links help users choose which links to follow without requiring complicated strategies to understand the page.

Quelle: Link Purpose (In Context): Understanding SC 2.4.4

Gruppen zusammengehöriger Links

Bei einer Gruppe zusammengehöriger Links kann im ersten Link Ziel oder Zweck genannt werden und in den folgenden Links unterscheidende Informationen. Die WCAG 2.0 geben folgendes Beispiel:

A list of books is available in three formats: HTML, PDF, and mp3 (a recording of a person reading the book). To avoid hearing the title of each book three times (once for each format), the first link for each book is the title of the book, the second link says "PDF" and the third says, "mp3."

Quelle: Link Purpose (In Context): Understanding SC 2.4.4: Examples of Success Criterion 2.4.4

Aussagekraft über den Kontext

Whenever possible, provide link text that identifies the purpose of the link without needing additional context.(?)

In some situations, authors may want to provide part of the description of the link in logically related text that provides the context for the link. In this case the user should be able to identify the purpose of the link without moving focus from the link. In other words, they can arrive on a link and find out more about it without losing their place. This can be achieved by putting the description of the link in the same sentence, paragraph, list item, the heading immediately preceding the link, or table cell as the link, or in the table header cell for a link in a data table, because these are directly associated with the link itself.

Quelle: Link Purpose (In Context): Understanding SC 2.4.4

Grenzen des title-Attributs (Technik H33: Supplementing link text with the title attribute)

The title attribute is used to provide additional information to help clarify or further describe the purpose of a link. If the supplementary information provided through the title attribute is something the user should know before following the link, such as a warning, then it should be provided in the link text rather than in the title attribute.

Because of the extensive user agent limitations in supporting access to the title attribute, authors should use caution in applying this technique. For this reason, it is preferred that the author use technique C7: Using CSS to hide a portion of the link text (CSS) or H30: Providing link text that describes the purpose of a link for anchor elements (HTML).

Quelle: WCAG 2.0 Technik H33: Supplementing link text with the title attribute

Reihenfolge

Thus, for a series of related links, include introductory information in the first link, then distinguishing information in the links that follow. This will provide context information for users reading them in sequence.

Quelle: http://www.w3.org/TR/WCAG10-HTML-TECHS

Fragen zu diesem Prüfschritt

Oft wird über Bilder, Überschriften und "mehr"-Links mehrfach auf die selbe Seite verlinkt. Das beeinträchtigt die Brauchbarkeit der von Screenreadern generierten Linklisten. Wie wird das bewertet?

Mehrfache Links auf ein und dieselbe Seite sind für Nutzer der Linkliste unpraktisch, sie machen die Liste länger und unübersichtlicher. Unbrauchbar wird die Linkliste aber nicht, solange durch die Linktexte deutlich wird, dass es sich mehrfache Links auf dasselbe Ziel handelt.

Für sehende Nutzer kann die Mehrfachverlinkung von Überschrift, Abbildung und mehr-Link dagegen praktisch sein. Sie müssen nicht erst nach einem kleinen mehr-Link am Ende des Anreißertexts suchen, sondern können auf das meist größere und damit leichter zu treffende Bild oder auch gleich auf die Überschrift klicken.

Hier gibt es also kein "richtig" oder "falsch", die verschiedenen Ansätze haben alle ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass alle Linktexte so aussagekräftig sind, dass der Benutzer die Mehrfachverlinkung in der Linkliste erkennen kann. Wenn das sichergestellt ist, wird Mehrfachverlinkung nicht negativ bewertet.

Blättern: zum ersten Prüfschritt zum vorhergehenden Prüfschritt zum nächsten Prüfschritt zum letzten Prüfschritt