Das Prüfverfahren zur BITV


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Prüfschritt 1.4.5a
Verzicht auf Schriftgrafiken

Technische Angaben

Version Aktuell
BITV-Bedingung 1.4.5 Schriftgrafiken
WCAG-Erfolgskriterium 1.4.5 Bilder eines Textes
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / teilweise erfüllt / eher nicht erfüllt / nein
Gewichtung mittleres Gewicht (2 Punkte)
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Schriftgrafiken werden nicht verwendet.

Was wird geprüft?

Grafiken sollen nicht für die Darstellung von Schriften verwendet werden.

Warum wird das geprüft?

Schriftgrafiken können nicht oder nur eingeschränkt an Benutzeranforderungen angepasst werden. Ihre Farben können nicht individuell eingestellt werden, auch die individuelle Anpassung der Schriftgröße wirkt nicht auf grafische Schriften.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist immer anwendbar.

2. Prüfung

  1. Die Seite im Firefox aufrufen.
  2. In der Web Developer Toolbar die Funktion Bilder > Bilder deaktivieren > Alle Bilder deaktivieren aufrufen, um alle Grafiken auszublenden (oder alternativ Bilder > Bilder mit ALT-Attributen ersetzen). Prüfen, ob dadurch Schrift verschwindet.

3. Hinweise

In der Regel nicht negativ bewertet werden grafische Schriften auf Logos oder in Fotos.

Ebenfalls nicht negativ bewertet wird, wenn das SVG -Element in Inline-SVGs verwendet wird.

4. Bewertung

Nicht voll erfüllt:

  • Für Schaltflächen, deren Bedeutung aus dem Kontext hervorgeht (einzelne Schaltfläche unter Eingabefeldern), werden Schriftgrafiken verwendet.

Nicht erfüllt:

  • Für wichtige Texte, zum Beispiel Überschriften, Menüoptionen oder für Schaltflächen, deren Beschriftung gelesen werden muss, werden Schriftgrafiken verwendet.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV 2.0

Für die Vermittlung von Informationen sind keine Schriftgrafiken zu verwenden, es sei denn,

  • diese lassen sich individuell an die visuellen Bedürfnisse der Nutzerin oder des Nutzers anpassen oder
  • eine bestimmte Präsentation ist für die Vermittlung der Informationen des Textes wesentlich.

Abgrenzung zu anderen Prüfkriterien

  • Symbole beschriftet: siehe Prüfschritt 2.4.6a "Title-Attribut für Symbole"
  • Verwendung von Listen-Markup für die Darstellung von Listen: siehe Prüfschritt 1.3.1b "HTML-Strukturelemente für Listen"
  • Verwendung von Tabellen-Markup für die Darstellung von Tabellen: siehe Prüfschritt 1.3.1e "Datentabellen richtig aufgebaut"

Grenzen des Prüfschritts

Checkpunkt 3.1 der WCAG fordert generell die Verwendung von Markup anstelle von Bildern, um Informationen darzustellen. Als Beispiel wird MathML genannt. Wesentlich wichtiger ist allerdings die (ebenfalls angesprochene) Vermeidung der Nutzung von Bildern für Texte. In diesem Prüfschritt wird nur die Verwendung von Grafiken für Überschriften, "normalen" Fließtext und die Beschriftung von Bedienelementen berücksichtigt.

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

Guideline

Success criterion

Techniques

General Techniques
CSS Techniques

Quellen

Does SVG text pass WCAG 1.4.5 (Images of Text)? (Léonie Watson)

Fragen zu diesem Prüfschritt

Gibt es nicht inzwischen zugängliche Techniken der Textersetzung?

Webfonts erscheinen erstmal als eine interessante Alternative zu Schriftgrafiken. Sie werden aber längst nicht von allen Browsern und Umgebungen zuverlässig unterstützt, in manchen kommt es zu Ausgabefehlern. Außerdem erhöhen sich die Seitenladezeiten, es können Probleme bei der Schriftvergrößerung auftreten.

Neue JavaScript- oder Canvas-basierte Techniken wie Cufón oder typeface.js haben ihre eigenen Probleme: zum Teil gehen semantische Auszeichnungen wie Überschriften verloren, der Tastaturfokus von Verlinkungen wird nicht hervorgehoben oder ist nicht brauchbar, und in vielen Screenreadern werden Texte abgehackt oder gar nicht ausgegeben. Einen guten Überblick bietet der Sprungmarker-Artikel Was ist mit cufón, typeface.js oder lettering.js? (2011).

Wie ist es mit der Darstellung von Schriftzeichen, die nicht auf allen Computern zur Verfügung stehen? Also zum Beispiel arabische Schriftzeichen: sollten dafür nicht besser Grafiken verwendet werden?

Moderne Betriebssysteme stellen die Schriftzeichen aller verbreiteten Sprachen zur Verfügung. In aller Regel sind Schriftzeichen, mit denen ein möglicher Nutzer etwas anfangen könnte, auch installiert. Die grafische Darstellung von Schriftzeichen ist daher nur als zusätzliches Angebot sinnvoll.

Im BITV-Test wird nur geprüft, ob Text in Form von Text verfügbar ist. Zusätzliche grafische Angebote werden nicht berücksichtigt.

Was ist mit auf Fotos abgebildeten Schriften?

Schriftgrafiken sollen nicht verwendet werden, weil die Darstellung des Textes dann nicht mehr flexibel ist. Bei abgebildeten Schriften, also zum Beispiel bei Fotos mit Ladenschildern sind Inhalt und Darstellung zusammengehörig. Dieser Prüfschritt ist also nicht anwendbar.

Davon ausgenommen sind allerdings Abbildungen, die wie Schriftgrafiken verwendet werden, also zum Beispiel als Überschriften dienen.

Oft ist es nicht möglich, auf Schriftgrafiken zu verzichten. Denn das Corporate Design gilt auch für den Webauftritt, und die für Texte verfügbaren Schrifttypen passen nicht.

Sicher gibt es gute Gründe für den Einsatz von Schriftgrafiken. Der Einsatz von Schriftgrafiken ist aber auf der anderen Seite aus Sicht der Barrierefreiheit problematisch. Es muss also entschieden werden, ob das einheitliche Corporate Design wichtiger ist, als die barrierefreie Zugänglichkeit des Webauftritts. Wenn die barrierefreie Zugänglichkeit der im Webauftritt bereitgestellten Inhalte Priorität haben soll, wird es erforderlich sein, das Corporate Design anzupassen oder auf seinen durchgängigen Einsatz zu verzichten.

Wie wird Text in Firmenlogos bewertet?

In diesem Prüfschritt geht es um die Verwendung von grafischen Schriften für Texte, Überschriften und Bedienelemente. Das Firmenlogo ist nicht relevant, so lange es nicht (oder nur zusätzlich) als Überschrift oder Bedienelement eingesetzt wird.

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