Das Prüfverfahren zur BITV 2.0


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Prüfschritt 1.4.3a
Kontraste von Texten ausreichend

Technische Angaben

Version Aktuell
BITV-Bedingung 1.4.3 Kontrast
BITV 1.0-Entsprechung 2.3.1 Helligkeitskontraste von Texten ausreichend
Bewertungsalternativen ja / eher erfüllt / teilweise erfüllt / eher nicht erfüllt / nein / nicht anwendbar
Gewichtung mittleres Gewicht (2 Punkte)
Bezieht sich auf einzelne Webseite
Prüfschritt erfüllt Texte haben ausreichende Helligkeitskontraste.
Prüfschritt nicht anwendbar Texte sind nicht vorhanden.

Was wird geprüft?

Alle Texte der Seite sollen ausreichende Helligkeitskontraste haben. Sie sollen auch für farbfehlsichtige Benutzer wahrnehmbar sein. Bei Seiten, die eine ausreichend kontrastreiche Version über einen Styleswitcher anbieten, wird auch geprüft, ob der Ausgangszustand Mindestanforderungen an Schriftkontraste erfüllt.

Warum wird das geprüft?

Wenn Vordergrund- und Hintergrundfarbe sich in der Helligkeit ähneln, haben sie unter Umständen zu wenig Kontrast, wenn sie mit Schwarzweiß-Monitoren oder von Menschen mit verschiedenen Arten von Farbenschwäche betrachtet werden.

Die Ausgabe einer kontrastreicheren Seite durch einen Styleswitcher darf nicht dazu führen, dass die Standardseite sich nicht mehr um nutzbare Kontraste kümmert. Denn viele Nutzer nehmen das Schaltelement Styleswitcher nicht wahr, verstehen die Funktion nicht, oder möchten die Seite lieber im Ausgangszustand nutzen.

Wie wird geprüft?

1. Anwendbarkeit des Prüfschritts

Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn die Seite Text enthält.

2. Prüfung

2.1. Prüfung der Textkontraste der Standardversion

  1. Sichtpüfung. Sind die Schriftkontraste stark genug?
  2. Im Zweifel den Contrast Analyser öffen. Im Bereich Result-luminosity das Kontrastverhältnis prüfen (Contrast-ratio).
  3. In der Web Developer Toolbar die Funktion Informationen > Elementinformationen einblenden aktivieren.
  4. Text, der überprüft werden soll, anklicken. Im eingeblendeten Fenster "Elementinformationen" im Bereich "Text" wird die jeweilige Schriftgröße in Pixeln angegeben.
  5. Mit Hilfe des Contrast Analysers im Bereich Foreground mit der Pipette die Vordergrundfarbe auswählen, dann im Bereich Background die Hintergrundfarbe. Für Schriftgrößen unter 24 px (beziehungsweise 18,7 px bei fetter Schrift) prüfen, ob das Kontrastverhältnis bei 4,5:1 oder größer liegt. Für große Schriften prüfen, ob das Kontrastverhältnis bei 3:1 oder größer liegt.
  6. Bei andersfarbigen Fließtextlinks ohne sonstige Unterschiede in der Auszeichung, wie etwa Unterstreichung, prüfen, ob das Kontrastverhältnis zum Standardfließtext mindestens 3:1 beträgt.

2.2. Styleswitcher-Prüfung, Prüfung der Textkontraste der alternativen Ansicht

Wenn die Kontraste der Standardversion nicht die Sollwerte erfüllen und die Seite eine kontrastreichere Ansicht über einen Styleswitcher anbietet:

  1. Textkontrast des Styleswitcher-Schaltelements prüfen. Das Kontrastverhältnis muss 4,5:1 oder besser sein, und auch die anderen Anforderungen (zum Beispiel tastaturbedienbar, ohne Stylesheets nutzbar) müssen erfüllt sein. Sonst abbrechen.
  2. Alternative kontrastreichere Ansicht über den Styleswitcher aufrufen.
  3. Textkontraste der alternativen Ansicht prüfen (wie in 2.1 Prüfung der Textkontraste der Standardversion).

3. Hinweise

3.1. Allgemeine Hinweise

  • Elemente, die unterschiedliche Zustände haben können, sollten immer ausreichend kontrastieren. Also zum Beispiel: auch die farblich hervorgehobene, aktuell ausgewählte Menüoption; auch in einer anderen Farbe dargestellte, besuchte Links. Für die Bewertung entscheidend ist der jeweils schlechtere Helligkeitskontrast.
  • Die einzige Ausnahme, weil hier der gezielte Wechsel zwischen den beiden Zuständen verhältnismäßig einfach ist: die Hervorhebung des Maus- oder Tastaturfokus. Hier soll zunächst geprüft werden, in welchem Zustand (im Fokus/nicht im Fokus) der Helligkeitskontrast besser ist. Dieser in Hinblick auf den Helligkeitskontrast bessere Zustand muss den allgemeinen Grenzwert von 4,5:1 erfüllen. Das Kontrastverhältnis des zweiten Zustandes muss über 3:1 liegen.
  • Schwache Kontraste können zweckmäßig sein, sie können den Umgang mit einer Webseite erleichtern. Ein Beispiel dafür: Funktionen, die prinzipiell vorgesehen, aktuell aber nicht verfügbar sind, werden schwach kontrastierend dargestellt. Das ist akzeptabel, wenn das ausgeblendete Element für die Orientierung und Bedienung nicht erforderlich ist. Der Prüfschritt ist daher auf die Beschriftungen ausgeblendeter, deaktivierter Bedienelemente in der Regel nicht anwendbar
  • Bei Bereichen, die mit Farbwechseln auf den Mauszeiger reagieren, kann ein Screenshot helfen, den Farbwert im "Ruhezustand" zu ermitteln. Alternativ kann man den Fokuszustand über Tastaturbedienung erzeugen und dann den Kontrast mit der Pipette des Contrast Analyser messen.
  • Wenn Kontraste dünner Schriften zu prüfen sind, gegebenenfalls Schrift vergrößern und die Schriftenglättung ausschalten.
  • Sollen die Farbwerte sehr kleiner Bereiche (feine Schriften oder kleine Icons) ermittelt werden, ist es unter Umständen einfacher, ein Screenshot zu machen und die leistungsfähigeren Zoom- und Pipettenwerkzeuge eines Bildbearbeitungsprogramms zu nutzen.

3.2. Hinweise zur Prüfung von Seiten mit Styleswitcher

Die Kontrastprüfung auf durch Styleswitcher aufgerufenen kontrastreicheren Ansicht erfolgt nur unter folgenden Bedingungen:

  • Das Styleswitcher-Schaltelement (oder der direkte Link zu einer Styleswitcher-Seite) ist deutlich sichtbar am Seitenbeginn platziert.
  • Das Schaltelement hat ein Kontrastverhältnis von mindestens 4.5:1 und erfüllt auch die anderen Anforderungen an Barrierefreiheit (es ist zum Beispiel tastaturbedienbar und ohne Stylesheets nutzbar)
  • Die alternative kontrastreichere Ansicht muss dieselben Informationen und dieselbe Funktionalität aufweisen wie die Ausgangsansicht.

3.3. Hinweise zur Messung des Kontrastverhältnisses

  • Für die Bewertung zählt das Kontrastverhältnis (relative luminosity) nach einer in den WCAG 2.0 definierten Formel. Diese Formel ersetzt die bisher im BITV-Test verwendete Formel zur Bestimmung des Helligkeitskontrasts.
  • Die Prüfung der Kontraste für normalen Text und großen Text orientiert sich an den gemessenen Werten der Schriftgröße in Pixel (Web Developer Toolbar, Funktion Elementinformationen einblenden), denn eine Messung der tatsächlich dargestellten Punktgröße auf dem Bildschirm mit einem Typometer ist nicht praktikabel. Bei einer Bildschirmauflösung von 96 dpi entsprechen 18 Punkt etwa 24 Pixeln, 14 Punkt entsprechen etwa 18,7 Pixeln.
  • Die Messung des Pixel-Äquivalents ist dadurch gerechtfertigt, dass die bisher getesteten User Agents die Auszeichnung in Pixel und Punkt analog behandeln (im Verhältnis 4:3), also unabhängig von der Bildschirmauflösung, unter der der Text angezeigt wird. Richtiger wäre es, wenn User Agents die Bildschirmauflösung auswerten würden, um die Ausgabegröße zu berechnen (also mehr Pixel pro Punkt bei höher auflösenden Bildschirmen). Für die Prüfung maßgeblich ist der Referenzwert von 96 dpi Bildschirmauflösung, für den die Entsprechung auf jeden Fall gilt.

4. Bewertung

Erfüllt:

  • Das Kontrastverhältnis (contrast ratio) zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt für Texte unter 18 Punkt (beziehungsweise für fette Texte unter 14 Punkt) bei mindestens 4,5:1.
  • Das Kontrastverhältnis (contrast ratio) zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt bei Texten in großer Schriftgröße (18 Punkt und größer, 14 Punkt und größer bei fetter Schrift) bei mindestens 3:1. Das Kontrastverhältnis des schlechteren Zustands des Maus- und Tastaturfokus liegt über 3:1.
  • Wenn die Anforderung nur über eine alternative Ansicht erfüllt wird, hat auch die Ausgangsansicht hinreichende Kontraste (3.5:1 für normalen und 3:1 für großen Text), der Styleswicher selbst erfüllt die Kontrastforderung von 4,5:1 und andere Anforderungen an Barrierefreiheit.

Einordnung des Prüfschritts

Formulierung BITV 2.0

1.4.3 Kontrast

Bei der visuellen Präsentation von Text und Schriftgrafiken ist das Kontrastverhältnis zwischen Vordergrund- und Hintergrundfarbe mindestens 4,5 : 1. Für Großschrift und Schriftgrafiken mit Großschrift gilt ein Kontrastverhältnis von mindestens 3 : 1.

Kein Mindestkontrast ist erforderlich für nebensächliche Texte und Schriftgrafiken,

  • die Teil einer inaktiven Komponente der Benutzerschnittstelle sind,
  • die rein dekorativ sind,
  • bei denen es sich um nebensächlichen Text in einem Bild handelt oder
  • die für den Nutzer oder die Nutzerin nicht sichtbar sind.

Für Text, der Bestandteil eines Logos oder eines Markennamens ist, gelten ebenfalls keine Anforderungen an den Mindestkontrast.

Einordnung des Prüfschritts nach WCAG 2.0

Guideline

Success criteria

Techniques

General Techniques

Failures

Quellen

Siehe Prüfschritt 1.4.3c "Inhalte bei benutzerdefinierten Farben erkennbar".

Fragen zu diesem Prüfschritt

Das Ergebnis der WCAG 2.0 Formel zur Messung des Kontrastverhältnisses entspricht oft nicht dem subjektiven Eindruck. Wie zuverlässig ist es?

Zwei Punkte sind hier zu beachten:

  1. Der Helligkeitskontrast ist nur einer von drei Einflussgrößen für den Gesamtkontrast. Insofern ist klar, dass das Ergebnis für den Helligkeitskontrast nicht dem subjektiven Eindruck entspricht. Es soll gar nicht dem subjektiven Gesamteindruck entsprechen, denn schließlich geht es darum, ob die Helligkeitsunterschiede der Farben für sich genommen ausreichend kontrastieren. Wenn man normalsichtig ist, entspricht der subjektive Eindruck der Graustufenansicht dagegen schon eher dem Formelergebnis.
  2. Farben benachbarter Flächen beeinflussen die Wahrnehmung, kleine und dünne Schriften erscheinen kontrastärmer, es gibt Überstrahleffekte, möglicherweise werden die Kontraste durch Schriftenglättung abgeschwächt. Die Formel berücksichtigt all diese Faktoren nicht. Zumindest wenn es um Texte geht, ist dies auch angemessen. Denn die genannten Einflüsse stehen nicht fest, sie hängen zum Beispiel von der gewählten Schriftgröße ab.

Für die Prüfung bedeutet das: Wer mit der formelbasierten Bewertung von Helligkeitskontrasten noch keine Erfahrungen hat, kann sich nicht auf seinen subjektiven Eindruck verlassen. Er muss die Formel fast auf alle Farbkombinationen anwenden.

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